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AKTIVE MONTESSORISCHULE
mit nicht-direktiver Begleitung
Konzept
ausgearbeitet vom
Verein die Pfütze Meran – Mit Kindern neue Wege gehen

Seit 1999 setzt sich die Pfütze Meran öffentlich für eine aktive, nicht-direktive Haltung in der Beziehung zu Kindern ein. Eltern, die bereit sind zu Hause diesen Weg mit Kindern zu gehen, wünschen auch eine Kontinuität in Kindergärten und Schulen.
Seit Herbst 2001 gibt es einen öffentlichen Montessori-Kindergarten, dessen Konzept vom Verein erstellt wurde und in Zusammenarbeit mit der Kindergartendirektion Meran und der Gemeinde Meran eröffnet werden konnte.
Dem Verein gehören Eltern und Menschen an, die mit Kindern leben und arbeiten. Sie sind konfessionell und parteilich ungebunden, sprachübergreifend und ethnisch neutral.

Kontakt:
Die Pfütze Meran - la pozzanghera:

Karl Wolf Straße 4, 39012 Meran
Tel.: 0473/440394
Fax: 0473/241205
E-mail: pfuetze.meran@ines.org
http://www.pfuetze.ines.org



INHALTSVERZEICHNIS:
1. Pägagogischer Hintergrund
1.1 Einleitung
1.2 Die aktive, nicht-direktive Pädagogik
1.3 Die entspannte, vorbereitete Umgebung
1.4 Grenzen, Regeln und Entscheidungsfreiheit
1.4.1 Zentrale pädagogische Grundsätze
2. Zielgruppe
3. Rahmenbedingungen
3.1.Die räumliche Struktur
3.2 Die zeitliche Struktur
3.3 Leistungsverständnis, Hausaufgaben, Prüfungen, Schularbeiten, Zeugnisse
3.4 Das Personal
3.4.1 Die Stellenbesetzung
3.4.2 Der Aufgabenbereich des Personals
4. Zusammenarbeit mit den Eltern
5. Literaturliste

„Die Freude, das Selbstwertgefühl, sich von anderen anerkannt und geliebt zu wissen, sich nützlich und fähig zu fühlen, produktiv zu sein, das sind Faktoren von ungeheuerer Bedeutung für die menschliche Seele.
Schließlich bilden das Selbstwertgefühl und die Möglichkeit, an einer sozialen Organisation teilzuhaben, lebendige Kräfte...
Derjenige, der sich seines Wertes bewusst ist, neigt zur Vereinigung, er stellt eine kraft dar.“
(Maria Montessori)

Vorwort
Der Verein „DIE PFÜTZE MERAN - MIT KINDERN NEUE WEGE GEHEN“ ist Initiator und Träger der deutschsprachigen aktiven Montessori-Schule mit nicht-direktiver Begleitung. Diese soll als gleichgestellte Privatschule (siehe Rundschreiben des Schulamtleiters Nr.48/2002) geführt werden und vervollständigt und bereichert das Angebot des öffentlichen Grundschulwesens.
Der Umgang der an dieser Schule beteiligten Pädagogen, Kinder und Eltern ist getragen von der Achtung vor dem Kind, der Achtung der Menschen untereinander, der Achtung vor der Schöpfung und von der Einsicht in die Gleichwertigkeit und Gleichrangigkeit aller Menschen, unabhängig von ihren individuellen Eigenschaften. Diese Schule steht allen Schülerinnen und Schülern ohne Diskriminierung offen und hält sich an die diesbezügliche Bestimmungen.
Derzeit umfasst das vorliegende Konzept jene Schulstufen, die der Grundschulstufe entsprechen. Der Übergang vom aktiven nicht-direktiven Montessori-Kindergarten in diese Schule ist gemäß M.Montessori fließend und beruht auf vielfältiger Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen.
Diese Schule wird nach demokratischen Grundsätzen geführt. Sie führt Mitbestimmungsgremien entsprechend dem Landesgesetz Nr.20/1995 und dem Beschluss der Landesregierung Nr.252/2000 (Schüler- und Schülerinnencharta) ein. Die Finanzgebarung wird transparent gehandhabt und ist allen Interessierten zugänglich.
Das Schulprogramm enthält das Pflichtcurriculum und das erweiterte Bildungsangebot gemäß Art.4 des Landesgesetzes Nr.12/2000.
Sie arbeitet mit den unterschiedlichsten Institutionen, Gremien und Personen zusammen, um Erfahrungsaustausch und gemeinsame Veranstaltungen zu ermöglichen.
Eine Evaluation des Entwicklungsprozesses der Schule wird durch eine eigene Arbeitsgruppe gewährleistet.


1. Pägagogischer Hintergrund


1.1 Einleitung
Immer mehr Eltern und pädagogische Fachkräfte spüren die Notwendigkeit, mit Kindern neue Wege zu gehen. Sie stellen sich die Frage, wie es möglich ist, Kinder in eine Zukunft zu begleiten, die heute in keiner Weise vorhersehbar ist und somit von ihnen ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität erfordert.
Wie können Kinder heute lernen, sich in einer ständig wandelnden Welt zurechtzufinden, ohne den Kontakt zu sich selbst zu verlieren? Wie können sie über intellektuelle Fähigkeiten hinaus die heute vielfach geforderte emotionale Intelligenz entwickeln, die auch die Fähigkeit zu tragfähigen sozialen Kontakten und zwischenmenschlichen Beziehungen mit einschließt? Wie kann es gelingen, dass Lernen zu einem sinnerfüllten und verantwortungsbewussten Leben führt?
Angesichts dieser offenen Fragen und Herausforderungen braucht es die Entwicklung neuer Perspektiven in der Erziehung. Körperliche, geistige, emotionale und soziale Aspekte der Bildung sind gleich zu gewichten und nicht voneinander trennbar. Es geht um eine Beziehungsqualität, die Kinder nicht von außen bestimmt, lenkt, formt oder bildet, sondern die es ihnen ermöglicht, ihr Potential möglichst umfassend und harmonisch zu entfalten. Dies erfordert auch veränderte Einstellung und innere Haltung gegenüber Kindern und ihrer Entwicklung. Sie sind nicht Objekt irgendwelcher Erziehungsmethoden oder pädagogischer Maßnahmen, sondern es geht darum, sie als Subjekt zu respektieren. "Bei allem, was man dem Kind beibringt, hindert man es daran, es selbst zu entdecken." (Piaget)


1.2 Die aktive, nicht-direktive Pädagogik
Die Grundlage dieser Pädagogik besteht in der zentralen Erfahrung und Erkenntnis, dass Kinder ihr volles Entwicklungspotential von Geburt an in sich tragen. Für die Verwirklichung dieses Potentials brauchen sie eine auf ihre jeweiligen Entwicklungsbedürfnisse abgestimmte vorbereitete Umgebung, in der sie weitestgehend ihren selbst gewählten Aktivitäten nachgehen können. Die Kinder lernen aus eigener Erfahrung reale Lebenssituationen einzuschätzen, Initiative zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen, Fehler machen zu dürfen und zunehmend Verantwortung für ihr Handeln zu tragen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich selbst überlassen sind. Damit die Kinder die Welt in ihrem eigenen Rhythmus und ihren eigenen Interessen gemäß erforschen können, brauchen sie innere Sicherheit. Die unbedingte Achtung vor dem Kind, ein respektvoller Umgang sowie eine entsprechend vorbereitete Umgebung mit klaren Grundregeln für das Zusammenleben in der Gruppe sind die unabdingbaren Voraussetzungen, die dem Kind Orientierung und Halt geben!
Dass die Nicht-Direktivität ein Weg zu authentischer menschlicher Entwicklung ist –sowohl beim Kind als auch beim Erwachsenen- wird von den aktuellen Erkenntnissen der Humanbiologie, Neurophysiologie und Biokybernetik* belegt: jede Entwicklung und das Überleben des lebendigen Organismus hängt von seiner Fähigkeit zur Selbstorganisation und der autonomen Interaktion mit seiner Umgebung ab. Jeder trägt sein subjektives Programm für Entwicklung in sich.

*) siehe u.a.: Maturana, Der Baum der Erkenntnis, 1987, Lurija, Das Gehirn in Aktion, 1992, Mecacci, Das einzigartige Gehirn, 1986, Vester, Neuland des Denkens, 1984, Pearce, Der nächste Schritt der Menschheit. Die Entfaltung des menschlichen Potentials aus neurologischer Sicht, 1992, de Bono, Der Denkprozeß,1975 u.a..


1.3 Die entspannte, vorbereitete Umgebung
Ausgehend von der Prämisse, dass jedes Kind seinen Entwicklungsplan, sein inneres Potential in sich trägt, leiten sich die folgenden Zielvorstellungen ab:
Aus der unbedingten Achtung vor den Lebensprozessen des Kindes entsteht im Erwachsenen das Vertrauen in die Fähigkeit des Kindes, seine eigene Persönlichkeit aufzubauen. Um dies zur Entfaltung zu bringen, braucht es aufmerksame Zuneigung, respektvolle und achtsame Begleitung und eine auf seine Entwicklungsbedürfnisse abgestimmte vorbereitete Umgebung, die ihm Raum gibt zum Begreifen und Entdecken, die ihm ganzheitliches Erleben und Erfahren sowie Lernen mit allen Sinnen ermöglicht.
Für M. Montessori ist die vorbereitete Umgebung eine Voraussetzung für die Entfaltung der Eigenaktivität des Kindes und sollte daher all seinen Entwicklungsphasen bestmöglich entsprechen.
Die vorbereitete Umgebung ist also nichts Starres, Gleichbleibendes und fordert die Einfühlung, Kenntnis und Fantasie der Erzieher heraus. Um der Entwicklung der ganzheitlichen Persönlichkeit eines Kindes dienen zu können, muss sie es dem Kind ermöglichen, zunehmend unabhängiger zu agieren, für sich selbst zu erforschen und zu entdecken und somit seinen Kompetenzbereich zu erweitern.
Die vorbereitete Umgebung berücksichtigt die Entwicklungsphasen der Kinder (nach Jean Piaget): 6- bis 7-jährige Kinder wechseln aus einer voroperativen in eine operative Phase mit verstärkt sensomotorischen Aktivitäten und konkreten Materialien. Daher muss das Kind mit konkreten Dingen umgehen und sie auf verschiedenste Weise gebrauchen, um über sein eigenes Handeln allmählich zu Abstraktionen kommen zu können. Jegliche Erziehung, die das Bedürfnis nach operativen Handlungen in diesem Alter übergeht, führt zum Auswendiglernen und erschwert die Entwicklung von echten Verständnisstrukturen. Erst 11- bis 12-jährige Kinder sind von sich aus fähig, abstrakte Logiken und Verallgemeinerungen zu verstehen und situationsübergreifend zu handeln.
Zur vorbereiteten Umgebung gehört eine entspannte Atmosphäre, in der sich die Kinder frei von Angst und Druck ihren Tätigkeiten widmen können. Diese Rahmenbedingungen schaffen die Erzieherinnen in ihrer Rolle als Begleitpersonen.
So wie die Eltern zu Hause mit aufmerksamem Sein und klaren Grenzen die Bedingungen für eine geschützte, entspannte Umgebung schaffen, in der eine respektvolle Begegnung unter den Kindern sowie zwischen den Kindern und Erwachsenen geschehen kann, so sorgen im Schulalltag dafür die ErzieherInnen.
Eine begrenzte Umgebung mit passenden Regeln ist die Voraussetzung für ein respektvolles und entspanntes Miteinander. Beides ist unerlässlich für eine authentische und stimmige Entwicklung des Kindes.


1.4 Grenzen, Regeln und Entscheidungsfreiheit
Damit die Umgebung entspannt ist und echte Entfaltungsprozesse möglich werden, sind einige wenige, jedoch klare Grenzen und Regeln des friedlichen Zusammenlebens erforderlich.
"Die Freiheit des einzelnen hat ihre Grenzen im guten Recht des anderen" - dieser Ausspruch von Maria Montessori ist Grundstein für die fixen Regeln der Schulgemeinschaft.

Diese Regeln lauten:
- Hier verletzen wir andere Kinder weder mit Worten noch mit Taten!
- Hier nehmen wir anderen Kindern nichts weg! Ist ein Material bereits "besetzt", muss das Kind warten, bis das andere fertig gespielt/gearbeitet hat. Oder die Kinder einigen sich auf eine Lösung, wobei jedes Kind auch „nein“ sagen kann, wenn es mit etwas nicht einverstanden ist.
- Alles, was gebraucht wurde, kommt anschließend wieder an seinen Platz zurück.
- Wir pflegen einen achtsamen Umgang mit dem Material.
- Wir stören andere Kinder nicht in ihrem Spiel oder ihrer Arbeitshaltung.
- Wer sich für ein Angebot/Darbietung entscheidet, bleibt bis zum Schluss dabei.
- Zum Laufen und Toben gibt es die Bewegungsbaustelle und den Außenbereich, ebenso für laute Aktivitäten, damit die Kinder in den anderen Bereichen konzentriert ihrem Tun nachgehen können.
Die bisher erwähnten Regeln stärken einen Aspekt der Sicherheit, nämlich die innere Sicherheit, aus der heraus sich das Kind der Welt und anderen Menschen zuwendet. Seine Integrität bleibt gewahrt, es kann sich selbst wahrnehmen und annehmen. Dadurch kann es mit seiner Umwelt authentisch kommunizieren.
Aus dieser Überlegung heraus leitet sich eine weitere Regel ab:
- Durch das Mitspielen/Mitarbeiten eines Kindes wird die Spiel-/Arbeitssituation verändert. Daher dürfen das oder die spielenden/arbeitenden Kinder entscheiden, ob ein oder mehrere andere Kinder mitspielen/mitarbeiten dürfen. Es geht bei dieser Haltung nicht darum, andere Kinder auszuschließen. Vielmehr soll das betroffene Kind selbst über das Geschehen entscheiden können und in seinem Entschluss auch respektiert werden. (Die Kinder sollen in Situationen, die sie überfordern, die Möglichkeit und Sicherheit haben, selbst Nein sagen zu dürfen. Nein sagen muss von frühester Kindheit an geübt und erfahren werden, um sich im Kindes- und Erwachsenenalter vor Übergriffen aller Art schützen zu können und auch um aus ganzem Herzen Ja sagen zu können!)
Die Entscheidungskompetenzen der Kinder umfassen fünf grundlegende Punkte:
- Wahl des Aufenthaltsortes (drinnen oder draußen)
- Wahl der Tätigkeit
- Verlauf der gewählten Tätigkeit
- Arbeitsform (Gruppen- oder Einzelarbeit)
- Inanspruchnahme von Angeboten und Darbietungen


1.4.1 Zentrale pädagogische Grundsätze :

- Dem Kind soll ein innerer und äußerer Rahmen geboten werden (Haltung der ErzieherInnen/Begleitpersonen, vorbereitete Umgebung mit Grenzen und Regeln), in dem es sich frei von "unzeitgemäßen Eingriffen des Erwachsenen" (M. Montessori) gemäß seinem inneren Bauplan individuell entwickeln kann.
- Die aktive Montessorischule mit nicht-direktiver Begleitung ermöglicht dem Kind selbstbestimmtes soziales Lernen, indem die zentrale Rolle bei der Lösung von Problemen und Konflikten beim einzelnen Kind bzw. der Gruppe belassen wird. Die ErzieherInnen begleiten das Kind dabei.
- Ziel ist es außerdem, dass das Kind aktiv die Gestaltung seines Schultages bestimmt. Die Kinder dürfen über die gesamte Dauer ihres Aufenthaltes in der Schule selbst entscheiden, welcher Aktivität sie nachgehen möchten. Dabei wird es von den Erzieherinnen, nach dem Motto "Hilf mir, es selbst zu tun" (M. Montessori), begleitet.
- Dem Kind wird ermöglicht, sich weitestgehend gemäß seinen individuellen Entwicklungen und Möglichkeiten zu entfalten. Das pädagogische Team betreut die Kinder in ihrem Sein und Werden in der Gruppe. Das eigenständige Erleben und Lernen des einzelnen Kindes steht im Mittelpunkt. Gemeinsame Aktivitäten werden angeboten, das Kind entscheidet aber selbst, ob das Angebot seinen momentanen Bedürfnissen entspricht.
- Die Wissensvermittlung berücksichtigt die Erkenntnisse von Maria Montessori und Jean Piaget. Diese werden immer wieder durch neurobiologische Forschungsergebnissen bestätigt. Für den Aufbau von eigenständigen Verständnisstrukturen sind das operative Lernen und das freie Spiel von größter Wichtigkeit. Operatives Lernen geschieht immer dann, wenn ein Mensch sich mit der Welt selbständig auseinandersetzen kann. Dadurch bauen sich Verständnisstrukturen und Vernetzungen im kindlichen Gehirn auf, auf die zu einem späteren Zeitpunkt immer wieder zurückgegriffen werden kann. (weiterführende Literatur siehe oben und Literaurliste).
- Durch die übereinstimmende Haltung und Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule wird die erzieherische Arbeit von Institution und Familie verstärkt und unterstützt. Dabei kann Lernen ohne Druck zur Selbstverständlichkeit werden.
- Die Eltern sind als Partner von Beginn an aktiv mit eingebunden.

 


2. Zielgruppe
Als Zielgruppe werden jene Eltern angesprochen, die sich bewusst für ein respektvolles Leben mit ihren Kinder entscheiden.
-Eltern, die bereit sind, die eigenen Gewohnheiten und Erziehungsmuster zu hinterfragen
-- die gemeinsam mit ihren Kindern und den menschlichen Lebens-prozessen wachsen wollen
-- die diesem pädagogischen Ansatz und dieser Haltung zustimmen
-- die zu Hause mit ihren Kindern bereits diesen Weg gehen, bzw. bereit sind, diesen Weg einzuschlagen
-- die aktiv mit den ErzieherInnen zusammenarbeiten und sich für die Schule einsetzen

 


3. Rahmenbedingungen
Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören entsprechend kompetentes und fachlich vorbereitetes Personal sowie geeignete Räumlichkeiten. Wesentlich für die Umsetzung sind außerdem Zusammenarbeit der Mittätigen, eine entsprechende Zeitstruktur im Tagesablauf der Gruppe, sowie geeignete Grenzen und Regeln für das Miteinander.


3.1.Die räumliche Struktur

Damit ist die äußere vorbereitete Umgebung gemeint.
Grundlage für die Umsetzung der oben angeführten pädagogischen Zielsetzungen ist eine entsprechend vorbereitete räumliche Umgebung und die achtsame Begleitung der Kinder durch die Erwachsenen. Die Kinder dürfen bzw. sollen über die gesamte Dauer ihres Aufenthalts in der Schule selber entscheiden, welcher Aktivität sie nachgehen möchten, wobei die ErzieherInnen in ihrer Rolle als Begleitpersonen für die Einhaltung der Regeln zuständig sind.
In dieser Schule sind Kinder nicht in Klassen eingeteilt, sondern benutzen je nach ihrer Entwicklungsstufe die Angebote, die zur Verfügung stehen. Durch diese Altersmischung entsteht eine Dynamik des voneinander Lernens und der gegenseitigen Rücksichtnahme. Das natürliche soziale Umfeld, in dem sich die Kinder in wechselnden Rollen erfahren können, baut Konkurrenzverhalten ab und ermöglicht Kooperationsbereitschaft. Den Kindern stehen jederzeit folgende Räumlichkeiten bzw. Bereiche zur Verfügung:
-Eingangsbereich: wo die Kinder ankommen, sich gemütlich von ihren Eltern trennen oder kurz verweilen können, auf andere Kinder warten und langsam den Tag beginnen lassen. Jedes Kind hat ein eigenes Fach für seine persönlichen Sachen.
-Bereich mit Sprachmaterial, Bibliothek und Leseecke. Sprachmaterial in italienischer Sprache, evt. auch andere
-Bereich mit Mathematikmaterial
-Bereich mit Sinnesmaterial
-Bereich zur kosmischen Erziehung mit Versuchsecke mit verschieden Wissensgebieten (Tiere, Geschichte, Geografie, fremde Völker, Religion usw.)
-Bereich für kreative Tätigkeiten wie Malen, Basteln, Modellieren, Sandbecken und Musikecke
-Bereich für Rollenspiele, in dem sich z.B. Puppenwohnung, Kaufladen, Unfallzimmer, Frisör und Schminkecke befinden
-Bereich, die den Kindern Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten bieten wie eine Kuschelecke, Hängematte, Bilderbuchplatz und Traumsofa
-Bewegungsraum, der den Bewegungsbedürfnissen der Kinder entspricht und vielfältige Experimente zulässt
-Waschraum, in dem das Spielen und Experimentieren mit Wasser möglich ist; mit verschieden vorbereiteten Behältern, Trichtern, Schläuchen und Plastikschürzen
-Essbereich, in dem die Kinder ihre Jause einnehmen können; dort befindet sich auch eine Abwaschmöglichkeit
-Teeküche, welche sowohl vom Personal als auch für Kochaktivitäten mit Kindern genützt werden kann
-Außenbereich: Garten mit kreativen Spielmöglichkeiten wie Hügellandschaft, Wasserstelle, Sandbereich, Kletter- und Balanciermöglichkeiten, Schaukeln, Seile u.dgl.m.
-Außerdem ein Bereich, wo die Mitarbeiterinnen Verwaltungstätigkeiten erledigen sowie Gespräche (mit Eltern und anderen Gesprächspartnern) führen können


3.2 Die zeitliche Struktur

- Die Schulwoche erstreckt sich von Montag bis Freitag.
- Gleitender Eintritt ab 7.45 Uhr
- Jedes Kind bestimmt selbst, wann es mit welchem Material und in welchem Bereich spielt oder arbeitet.
- Jedes Kind bestimmt selbst, wann es seine Jause isst.
- Angebote: werden täglich von den Betreuerinnen rechtzeitig angekündigt.
Wer von den Kindern teilnehmen möchte, kommt zum vereinbarten Platz. Angebote können aus den verschiedensten Bereichen sein: Mathematik, Sprache, kosmische Erziehung, Musizieren, Kochen, Basteln u.v.m.
- Mit dem Abschlusskreis, der in Form eines Angebotes stattfindet, endet der Schultag. Gemeinsam wird erzählt, etwas vorgelesen, gesungen, Stilleübungen oder anderes angeboten.
- Abholzeit: 12.15 Uhr bis 12.30 Uhr


Kinder im Grundschulalter drängen auf die Erweiterung ihres Lebensraumes. "Kinder sind auf dem Wege, in der Welt zu leben, deshalb müssen sie mit ihr Kontakt haben, sie verstehen, bevor sie eintreten" (aus Maria Montessori: Spannungsfeld Kind-Gesellschaft-Welt). Aus diesem Grund ist es Aufgabe von den ErzieherInnen und den Eltern, den Kindern dieses Alters genügend Raum für die Entfaltung ihrer besonderen Interessen zu geben (Museumsbesuche, Ausstellungsbesuche, Beobachtungen in der Natur, Einkäufe usw.). Diesen Aktivitäten wird an einem Nachmittag pro Woche nachgegangen. Sie werden von den Eltern in Zusammenarbeit mit den ErzieherInnen geplant.

Die Ferientage sind die selben wie in anderen öffentlichen Schulen.


3.3 Leistungsverständnis, Hausaufgaben, Prüfungen, Schularbeiten, SchülerInnenbögen

-Leistung bezieht sich immer auf den einzelnen Menschen und muss die individuellen Gegebenheiten berücksichtigen.
-Leistung ist immer eingebettet in den Prozess der konkreten Arbeit und ist in Verbindung mit dem jeweiligen Entwicklungsstand zu sehen.
-Leistung kann sich nur entfalten, wenn Motivation gegeben oder erarbeitet sind.
-Leistung zählt nicht nur als Prozess und Ergebnis einer individuellen Arbeit, sondern auch als Prozess und Ergebnis einer Partner- oder Gruppenarbeit.
-Leistung erfährt eine wesentliche Vertiefung durch die emotionale Verbundenheit mit der Arbeit.
-Leistung wird nicht nur von außen, sondern in einem Prozess der Selbstkontrolle und Selbsteinschätzung von den SchülerInnen selbst festgestellt und bewertet.
-Leistung braucht Sinngebung und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.
(Auszug aus dem gemeinsamen Schulkonzept der Schulen im Montessori-Landesverband Bayern)

In dieser Montessorischule liegt der Akzent sehr deutlich auf den Aktivitäten des Kindes. Das Kind entscheidet selbst mit welchen Materialien und wie lange es arbeiten will. Es ist die Aufgabe der ErzieherInnen, zu beobachten, die Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und die Umgebung, das Material so vorzubereiten bzw. dem Kind anzubieten, dass es die Möglichkeit erhält, sich in seiner Persönlichkeit und seinem Lernen weiterzuentwickeln. Das Hauptziel ist dabei, die Neugier und das natürliche Verlangen zu lernen zu erhalten.
Hausaufgaben: Es gibt keine verpflichtenden Hausaufgaben. Aus der Arbeit der Kinder am Vormittag kann sich ergeben, dass sie zu Hause an etwas weiterarbeiten, etwas für den folgenden Tag vorbereiten oder freiwillige Arbeiten in irgendeiner Form erstellen. So kann sie für sie deutlicher erfahrbar werden, dass lernen überall – nicht nur in der Schule stattfindet.
Schularbeiten und Prüfungen: In unserer Schule werden keine Schularbeiten und Prüfungen gemacht. Das Montessorimaterial erlaubt die Selbstkontrolle. Fehler dienen dazu, noch einmal zu probieren, nachzusehen, der Sache auf den Grund zu gehen. Für Fragen oder genauere Erklärungen stehen die ErzieherInnen zur Verfügung.
SchülerInnenbögen: Grundsätzlich richtet sich die Schule an die Schülerbewertung laut Rundschreiben des Schulamtsleiters Nr. 94/96. Ausgangslage und Entwicklungsprozess werden kontinuierlich dokumentiert. Informationen, die Gespräche mit dem Kind und dessen Eltern miteinbeziehen, werden ebenfalls von den PädagogInnen schriftlich festgehalten. Zweimal jährlich erhalten die Eltern eine schriftliche Dokumentation
.


3.4 Das Personal
"Ich "erziehe" sie nicht zu irgend etwas, und ich "unterrichte" sie nicht in irgend etwas. Ich möchte, dass sie bewusst erleben und erkennen, was sie in sich tragen." (H. Jacoby).


Zur Umsetzung der oben ausgeführten pädagogischen Grundsätze ist ein geeigneter äußerer Rahmen nur eine Voraussetzung. Wesentlich ist das pädagogische Handeln und die Haltung der ErzieherInnen. Unerlässlich ist dabei, dass es sich um Fachkräfte handelt, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur und Lebenserfahrung in der Lage sind, den Kindern gegenüber eine nicht-direktive Haltung einzunehmen und Achtsamkeit im Umgang mit ihnen zu pflegen. Unterstützend kann dabei auch die Umsetzung der Montessori-Pädagogik sein. Die Eltern achten die Arbeitsweise der ErzieherInnen und greifen nicht in den Schulablauf ein. Für diesen sind die ErzieherInnen verantwortlich.


3.4.1 Die Stellenbesetzung

Für die Führung der aktiven Montessorischule mit aktiver nicht-direktiver Begleitung ist Personal mit entsprechender Ausbildung notwendig. Die ErzieherInnen haben sich mit folgenden theoretischen Grundsätzen und pädagogisch-praktischen Ansätzen in Form von Fachseminaren, Kursen, Lehrgängen und Hospitationen auseinandergesetzt:


- Aktive, nicht-direktive Pädagogik
- Achtsame, nicht-direktive Begleitung der Kinder
- Montessoripädagogik
Über die Personalaufnahme entscheidet derzeit der Trägerverein.


3.4.2 Der Aufgabenbereich des Personals
Im Rahmen dieser Schulgruppe haben sowohl die Arbeit mit den Kindern als auch die Elternarbeit und die vorbereitende Tätigkeit und die nachfolgende Aufarbeitung gleiche Wichtigkeit.


Eine kontinuierliche, konkrete Zusammenarbeit mit den Eltern bildet die Grundlage der erzieherischen Begleitung außerhalb der Familie. Dafür sind regelmäßige Einzelgespräche, Elternabende, Informationsveranstaltungen usw. vorgesehen.
Wachsen mit dem Kind bedeutet für die ErzieherInnen, ihr Tun und Handeln ständig zu reflektieren und entsprechend zu korrigieren.
Daher hat die tägliche Teambesprechung über die einzelnen Kinder und den Tagesablauf einen zentralen Stellenwert bei der Begleitung einer nicht-direktiven Gruppe. Sie bildet die Grundlage, um die Umgebung entsprechend vorzubereiten bzw. bei Bedarf zu verändern.


Im Anschluss zu den Unterweisungszeiten führen die MitarbeiterInnen schwerpunktmäßig folgende Tätigkeiten aus:
-Vorbereitung der Angebote/Darbietungen: Fixe Angebote und Darbietungen im Tagesverlauf planen und vorbereiten.
-Dokumentation: Eine kontinuierliche Dokumentation der täglichen Arbeit mit den Kindern ist ein Kernpunkt der pädagogischen Tätigkeit. Sie stellt ein grundlegendes Instrument für die Selbstreflexion und die Evaluation im Team dar.
Im Arbeitsbuch werden täglich die Anwesenheit der Kinder, Zusammenfassungen der Teambesprechungen und entsprechende Reflexionen schriftlich festgehalten. Ebenfalls schriftlich dokumentiert werden Aktivitäten einzelner Kinder, Beobachtungen zu den emotionalen und kognitiven Reifeprozessen der Kinder, Situationsanalysen, Planungen, didaktische Angebote, Jahresschwerpunkte und das Konzept und Notizen von Elterngesprächen und Elternabenden.
-Elternarbeit: wöchentliche Elterngespräche planen, vorbereiten, abwickeln und nachbesprechen, Elternabende vorbereiten, leiten und auswerten,
Informationsblätter erstellen, Organisation und Begleitung des Elterndienstes,
Feste und Feiern vorbereiten und gestalten.
-Öffentlichkeitsarbeit: Mitarbeit bei der Organisation von Vorträgen u. dgl. m. Planung, Abwicklung und Nachbereitung von Veranstaltungen wie "Tag der offenen Tür",
Planung und Vorbereitung von Hospitationen für Eltern und andere Interessenten, Besuchsnachmittage für Kinder vor dem Eintritt in die Gruppe und für Interessierte, Verfassen von Erfahrungsberichten über die Arbeit in der Schule.
-Zusammenarbeit mit dem Kindergarten: Gespräche, gegenseitige Besuche mit den Kindern, Austausch und Diskussion mit den KindergärtnerInnen, gegenseitige Hospitationen, Organisation gemeinsamer Veranstaltungen.
-Fortbildung: Besuch von Seminaren, Kursen etc. zu fachspezifischen Themen sowie zur Persönlichkeitsbildung, Lesen von Fachliteratur, Supervision der Tätigkeit.

 


4. Zusammenarbeit mit den Eltern
Die pädagogische Arbeit der Schule hängt mit dem Vertrauen der Eltern in die Gedanken und die Praxis der aktiven nicht–direktiven Montessori-Pädagogik zusammen. Die Eltern sind von Beginn an aktiv eingebundene Partner. Voraussetzung für die Einschreibung eines Kindes in diese Gruppe ist eine ausreichende Information vorab.
Die Eltern entscheiden sich bewusst für diese Schulgruppe und tragen sie aktiv mit. Für die formulierte Zielsetzung ist es entscheidend, dass die Eltern bereit sind, sich auf die beschriebene pädagogische Haltung und Umsetzung einzulassen, sie zu Hause und in der Schule aktiv mitzutragen. Beide Eltern unterschreiben einen Elternvertrag. Sie erklären sich mit den Bedingungen, der Zusammenarbeit und der Auseinandersetzung mit den pädagogischen Grundgedanken dieser Schulgruppe einverstanden.
Die Eltern verpflichten sich bei Schuleintritt dem Erziehungspersonal gegenüber verbindlich zu Teilnahme an Elternabenden und zu aktiver Elternmitarbeit:


-Einschreibegespräch zur Information, zum gegenseitigen Kennen lernen, die Aufnahmebedingungen abzuklären, die Vereinbarungen zu treffen, um die vorbereitete Umgebung kennen zu lernen
-Monatliche Elternabende zur Vertiefung pädagogischer Inhalte
-Wöchentlich individuelle Elterngespräche mindestens 3 bis 4 Mal jährlich für jedes Kind im Ausmaß von 1 bis 1,5 Stunden jeweils und zusätzliche Gespräche bei Bedarf. Gegenstand dieser ausführlichen Gespräche ist die Entwicklung und die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes sowie Erfahrungsaustausch sowie Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus.
-Ein regelmäßiger Elterndienst während der gesamten Schulzeit, damit alle Bereiche und Angebote durch einen Erwachsenen entsprechend begleitet sind.
-Hospitationen einzelner Eltern während der Anwesenheit der Kinder.

 


5. Literaturliste


Montessori, Maria
bearbeitet von H. Helming: Kinder sind anders. DTV, München 1997
Hrsg. I. Becker–Textor: Lernen ohne Druck. Herder Verlag, Freiburg 1995
Wie lernen Freude macht, Herder Verlag, Freiburg 1999
Hrsg. P. Oswald u. G. Schulz Benesch: Kosmische Erziehung. Herder Verlag, Freiburg 2002


Montessori-Landesverband Bayern: Das gemeinsame Schulkonzept. Augsburg 2002


Fenwick W. English, John C. Hill
: Vision einer Schule der Zukunft. Mit Kinder wachsen Verlag, Freiamt 1999


Gribble David: Schule im Aufbruch. Mit Kindern wachsen, Freiamt 2001


Holt, John: Kinder lernen selbstständig oder gar nicht(s), Beltz 1999


Jacoby, Heinrich: Jenseits von "Begabt" und "Unbegabt". Christians Verlag, Hamburg. 5., überarb. Aufl. 1994


Kaul, Claus-Dieter: Die zehn Wünsche der Kinder


Keller, Oliver
: Denn mein Leben ist Lernen. Mit Kindern wachsen Verlag, Freiamt 1999


Pearce, Joseph Chilton
: Der nächste Schritt der Menschheit. Arbor Verlag, Freiamt, 1997


Wild, Rebeca
Freiheit und Grenzen – Liebe und Respekt. Mit Kindern wachsen Verlag, Freiamt 1998
Erziehung zum Sein. Mit Kindern wachsen Verlag, Freiamt 1993
Sein zum Erziehen. Arbor Verlag 1995
Kinder im Pesta. Arbor Verlag, Freiamt 1993
Lebensqualität für Kinder u. andere Menschen. Beltz Verlag, Weinheim u. Basel 2001


Meran, am 17.01.03